Stiftung

Die Stiftung

Als die Kräfte General Kießlings im Jahr 2008 bereits spürbar nachließen, regelte er das, was ihn noch besonders bewegte. Dazu zählte vor allem die Gründung der nach ihm benannten Stiftung.  In diesem Zusammenhang suchte er auch den Rat ihm besonders vertrauter Offiziere und Reserveoffiziere. Erörterungen innerhalb dieses Kreises und die fachliche Beratung durch die Stiftungsaufsicht führende Landesdirektion Dresden mündeten schließlich in der Stiftungssatzung vom 26. November 2008. 

 

Die offizielle Gründung der Stiftung erfolgte am   11. März 2009 im Rahmen eines Festaktes im gut gefüllten Scharnhorstsaal der Offizierschule des Heeres in Anwesenheit des Inspekteurs des Heeres, Generalleutnant Hans - Otto Budde, der die Gründung der Stiftung nachhaltig unterstützt hatte. Bei diesem Anlass ergriff bereits von schwerer Krankheit gezeichnet der 83 - jährige Kießling in beeindruckend freier Rede selbst das Wort zu seiner wohl letzten und sehr bewegten Ansprache. In der ihm eigenen klaren Sprache legte er sein Traditionsverständnis dar. 

 

Es ist aufschlussreich, wie sich dieses in seiner langen Dienstzeit entwickelt hatte. 

Anfangs, als sich der Begriff von der eigenen Tradition der Bundeswehr durchzusetzen begann, verhehlte er seine Skepsis dazu nicht. Ihm mangelte es an der Bewährung im Kampf, die die Bundeswehr inzwischen aber erlebt habe. Später führten ihn fortgesetzte Überlegungen zu der Formulierung in der Stiftungsurkunde. Zweck der Stiftung sei: 

 

„Die Förderung der Traditionspflege des Deutschen Heeres unter besonderer

Berücksichtigung der bundeswehreigenen Tradition“.

 

Auch an dieser Stelle brachte Kießling seine Überzeugung zum Ausdruck, dass in der Traditionspflege der überschaubaren soldatischen Gemeinschaft von Bataillonen und Regimentern besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Vorbildliche Traditionspflege sollte daher besonders auf dieser Ebene mit dem General - Kießling - Preis etwa jährlich ausgezeichnet werden. Die Würdigung besonderer Leistungen auf dem Feld der Traditionspflege solle aber nicht auf Truppenteile begrenzt bleiben. Ebenso könnten Einzelpersonen sowie Arbeiten und Aufsätze, die sich der Thematik des Stiftungszwecks annehmen, ausgezeichnet werden, wie auch besondere Projekte, Veranstaltungen und Seminare. 

 

In einem Interview mit Karl Feldmeyer hatte Kießling noch zwei Monate vor seinem Tod herausgestellt: "Mir ging und geht es vor allen Dingen darum, das in den Vordergrund zu stellen und unsere Aufmerksamkeit darauf zu lenken, was wir in allen Traditionserlassen als Aufforderung, als Mahnung erhalten haben, nämlich die bundeswehreigene Tradition zu begründen und zu pflegen." Und er führte weiter aus: "Das was ich hervorgehoben habe, die Konzentration auf die bundeswehreigene Tradition setzt natürlich voraus, dass wir uns besinnen auf die, wie ich es nennen möchte, auf die überschaubare soldatische Gemeinschaft und überschaubar sind eben nicht diese Großverbände wie Divisionen und Brigaden, sondern es sind die Bataillone und Regimenter."

 

Bis zu seinem Tod am 28. August 2009 stand General Kießling als Vorsitzender des Stiftungsvorstands selbst an der Spitze seiner Stiftung. Diese Aufgabe übernahm von 2010 bis 2017 der vormalige Inspekteur des Heeres, Generalleutnant a. D. Hans - Otto Budde. Seit 2018 fungiert Generalleutnant a. D. Rainer Korff als Vorsitzender des Stiftungsvorstands.  

Dresden, 11. März 2009

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